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Gastarbeiter dringend gesucht

Hinzugefügt: 08.04.2011 liczba wyświetleń: 1647

Am 1. Mai ist es so weit. Polen, Tschechen und andere Osteuropäer dürfen frei in Deutschland arbeiten.

Von Melanie Amann und Lisa Nienhaus

Doch einen Ansturm erwartet keiner. Im Gegenteil: Deutsche Firmen müssen die neuen Gastarbeiter heftig umwerben.

 

Deutscher Arbeitsmarkt: Gastarbeiter dringend gesucht

17. April 2011 

Seit ein paar Wochen erhält Andreas Röhm jede Menge Anfragen. Seine Personalberatung Sirius Consulting vermittelt seit Jahren Pflegekräfte aus Osteuropa an deutsche Familien. Doch jetzt meldet sich eine ganz neue Kundschaft. „Es sind mittelständische Unternehmer, die mich anrufen“, erzählt Röhm. „Sie suchen Hilfskräfte am Bau, Schweißer oder Fachkräfte fürs Hotel.“ Die Firmen wollen, dass Röhm seine Beziehungen nach Osteuropa nutzt, um die Leute nach Deutschland zu locken.

Denn vom 1. Mai an stehen hier alle Türen offen für die Osteuropäer, deren Staaten 2004 der EU beigetreten sind. Polen, Tschechen, Slowaken, Slowenen, Ungarn und Balten können dann frei in Deutschland arbeiten – ohne dass das Arbeitsamt wie bisher umständlich prüfen muss, ob sich denn kein deutscher Arbeiter für die gleiche Aufgabe finden lässt.

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Der millionste Gastarbeiter kam 1964 aus PortugalDer millionste Gastarbeiter kam 1964 aus Portugal

Jetzt können die Osteuropäer also nach Deutschland kommen – aber wollen sie das überhaupt? Nicht in großer Zahl, sagen Ökonomen. „Der 1. Mai wird nicht der Startschuss zur Massenmigration sein“, sagt Christoph Schmidt, Leiter des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen und Wirtschaftsweiser. Er schätzt, dass jedes Jahr höchstens 100.000 Arbeitskräfte mehr aus Osteuropa ins Land kommen. Kein gewaltiger Sprung, wenn man bedenkt, dass derzeit rund 600.000 von ihnen schon im Land sind. „Das reicht nicht aus, um unseren Bedarf an Fachkräften zu decken“, sagt Schmidt. „Es ist nicht so, dass wir nur die Tore öffnen müssen, dann kommen die Spezialisten.“

Es fehlt an Personal

Die Forscher des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sehen das ähnlich. Sie haben drei Szenarien berechnet, wie sich die Migration aus Osteuropa entwickeln könnte. Selbst im Szenario mit der höchsten Zuwanderung, kommen jedes Jahr nur 134.000 Personen (siehe Grafik).

Wer hätte das gedacht. Jahrelang herrschte Angst, dass Polen und Tschechen unseren Arbeitsmarkt überfluten und Deutschen die Jobs wegnehmen, sobald wir die Grenzen öffnen. Nun ist es anders: Die deutschen Unternehmen könnten gut ausgebildete Polen, Tschechen und Slowenen dringend brauchen; es fehlt an Personal. Doch gerade jetzt zeichnet sich ab, dass die jungen und kompetenten Osteuropäer gar nicht so scharf auf Deutschland sind.

Der wichtigste Grund dafür ist, dass viele Ärzte, Pfleger, Ingenieure und Handwerker ihre Heimat längst verlassen haben – und zwar nach Großbritannien, Irland und Schweden. Diese Staaten haben ihre Grenzen schon 2004 geöffnet. Damals zogen Hunderttausende gen Westen. Zwei Jahre später öffneten Spanien, Portugal, Finnland, Griechenland und Italien ihre Arbeitsmärkte. Andere Länder erlaubten Zuwanderung zumindest in Mangelberufe. Nur Deutschland und Österreich blieben hart. „Das hatte einen Umlenkungseffekt“, sagt der IAB-Forscher Herbert Brücker. „Vor 2004 wollten 60 Prozent der Auswanderer aus Osteuropa nach Deutschland. Heute sind es noch 23 Prozent.“

Gut ausgebildete Osteuropäer, die jetzt noch ihr Land verlassen wollen, haben mittlerweile viele Möglichkeiten – zu besten Konditionen. Personalberater Röhm sagt: „Ich würde gerne Maschinenbauer oder Elektrotechniker nach Deutschland vermitteln, aber die haben wesentlich attraktivere Angebote aus anderen Ländern.“

Wer gute Mitarbeiter aus Osteuropa an sich binden will, muss ihnen etwas bieten. Das macht zum Beispiel Alexander Wittker, dessen Zeitarbeitsfirma Job Impulse 4000 Mitarbeiter und 14 Niederlassungen in den Beitrittsländern hat. Wittker verleiht demnächst an deutsche Unternehmen Elektriker und Werkzeugmacher, Programmierer und Software-Entwickler aus Osteuropa. Seine Arbeitskräfte lockt er mit Stipendien und Deutschkursen, und wickelt für sie die gesamte Bürokratie mit deutschen Behörden ab. Sogar in Schulen halten Wittkers Leute Vorträge, um Kandidaten zu finden. An Fachschulen und Universitäten gehen sie natürlich auch. Zum Beispiel nach Koscisze in der Ostslowakei. „Wir schreiben dort in Zusammenarbeit mit einem deutschen Partner Diplomarbeitsthemen aus“, berichtet Wittker. „Die Kandidaten können in unserem IT-Labor arbeiten und werden von meinen Mitarbeitern betreut.“ Absolventen winkt eine Stelle mit Einsatzort Deutschland. Haben sie dort Sorgen, können sie eine Hotline anrufen - und werden in ihrer Muttersprache getröstet.

Es fehlt ein großes, bundesweites Programm

Langsam dämmert es auch den Firmen hierzulande, dass das begehrte Fachpersonal nicht von allein zu ihnen strömen wird. Allüberall beginnen sie, sich selbst um die neuen Gastarbeiter zu kümmern. Zum Beispiel die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft und die bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände. Sie werben mit einem Internetportal um Fachkräfte aus Polen, Ungarn, Tschechien und der Slowakei. Dort können Bewerber sich in ihrer Sprache informieren und ihren Lebenslauf einstellen, um Stellenangebote zu bekommen. Ob das reicht, um tschechische Ingenieure nach Rosenheim zu locken?

Es fehlt ein großes, bundesweites Programm, um – wie einst in den sechziger Jahren – Gastarbeiter nach Deutschland zu locken. Ob BDI, BDA oder DIHK – kein großer Verband wirbt offensiv und deutschlandweit, von staatlichen Anwerbeabkommen wie einst ganz zu schweigen. Damals, in den fünfziger und sechziger Jahren, holte die Regierung erst Italiener, dann Spanier, Griechen, Türken und Jugoslawen nach Deutschland. Es war die Bundesanstalt für Arbeit, die ihre Leute ausschickte, um die dortigen Arbeitswilligen akribisch zu untersuchen und Geeignete direkt mit einem Arbeitsvertrag zu versorgen. In Sonderzügen und Bussen gelangten die Gastarbeiter schließlich nach Deutschland.

Heute sind es die Kleinen, die die mühsame Anwerbearbeit leisten: einzelne Firmen, regionale Verbände, kleine Personalvermittler. Die Industrie- und Handelskammer Cottbus hat im April ein Praktikantenprogramm für 100 polnische Jugendliche begonnen. Der Arbeitgeberverband Pflege will mit der Diakonie Neuendettelsau Pflegeschüler aus Polen als Praktikanten für deutsche Heime werben. Dass das den Mangel an Pflegekräften in Deutschland beheben wird, glaubt man im Verband jedoch selbst nicht. Längst denkt man daran, die Pfleger der Zukunft aus Indien zu holen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine

 

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